Allein oder mit anderen

Von: Theres Roth-Hunkeler

Eine Frau nimmt sich Zeit für sich, zieht nordwärts, widmet sich der englischen Sprache, dem Geliebten und ihrem liebsten Zeitvertreib: dem Collagieren. Nordisch-stilvoll und mit einem untrüglichen Gespür für Worte und Bilder zeichnet Roth-Hunkeler die Figur der Annabelle, die nicht viel braucht, nur das Richtige: eine schöne Flechte, eine Tasse Kaffee, ein gestohlenes Paar roter Lederhandschuhe. Allein oder mit andern ist dank Roth-Hunkelers klangvoller, einfühlsamer Erzählweise eine ergreifende Geschichte, in die man mühelos eintaucht. (Tamara Schuler in Viceversa 14, 2020)

Für einige Monate ist Annabelle nach Kopenhagen gereist und probt dort ein anderes Leben. Sie besucht einen Englischkurs, wo sie die junge Berlinerin Rose kennenlernt. Daneben schreibt sie Briefe, an ihre Schwester Alice, die den Sohn verloren hat, an ihren norwegischen Freund Ólafur und an ihre drei erwachsenen Töchter. Besonders um Cora, die Jüngste, die noch nicht Fuß gefasst hat im Leben, drehen sich Annabelles Gedanken oft. Zur Ruhe kommt sie nur, wenn sie ihr Material am langen Tisch in der Gastwohnung ausbreitet und sich in ihre Collagen vertieft. Schneidend und zusammenfügend, verschiebend, schichtend und klebend kommt sie allmählich dem eigenen Familiengefüge auf die Spur. Dabei hilft ihr ausgerechnet die freakige Rose, die schonungslos die richtigen Fragen stellt. Theres Roth-Hunkeler zeichnet das Porträt einer Familie, in der sich Rollen verschieben und Besetzungen ändern. Ist diese Familie defekt, lässt sie sich reparieren oder ist sie schlicht normal? (Buchpräsentation Edition Bücherlese)

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