Der Schriftkünstler René Gisler hat vor vielen Jahren zuerst analog, dann in einem Internet-Blog ein Spiel fabriziert. Er sammelte neue Wörter und Begriffe, aus denen er nach und nach ein ausufernder Thesaurus entstand, der nun als grossformatiges, akkurat gestaltetes, illustriertes und beinahe 4 Kilo schweres Druckwerk erschienen ist. In diesem Thesaurus rex, der gewissermassen aus der alles aufsaugenden kollektiven «Schwammintelligenz» heraus gewachsen ist, finden sich Tausende neuer, schräger Begriffe von alldente bis Zyclown. Ein paar Beispiele veranschaulichen es:
Blogwart = Administrator
Einheizbrei, siehe auch Rheinheizgebot
Gähnesis = Erschöpfungsgeschichte
Indiwiedumm, siehe auch Protzess, Karrwoche, Verdummungsverbot
Labertran, siehe Schlichtgestalt
Trippfehler = verreisen, siehe auch Trippfehler auf der Hastatur oder Tastortur
völig = fixfettig
Zaudertrick = Hinhaltetaktik, Haderkadabra
Zu den einzelnen Begriffen macht der Band Angaben über Bedeutung und Herleitung, und er setzt Verweise, wie es ein klassisches Wörterbuch tut. Derart demonstriert der Thesaurus rex, dass es manchmal nur einer kleinen Verschiebung und Verfremdung bedarf, um gänzlich neuen Sinn zu erzeugen, der zuweilen die eigentliche Herkunft eines Wortes erst recht entlarvt. Das ist linguistisch und sprachgeschichtlich interessant, viel unterhaltender allerdings ist der Spielwitz, der darin steckt und zur Nachahmung reizt. Der Thesaurus rex bietet sich als Medium für Sprachverliebte an, die fürs Leben gern stöbern, einander vorlesen und selbst lustvoll mit der Sprache spielen. So gesehen steckt darin natürlich auch eine treffliche Geschenkidee für Mussestunden.
Aus: Fokus «Sprache als Spiel [mit Tiefsinn]» in www.viceversaliteratur.ch, 13.8.2019)