«Dieb der Kleinigkeiten»
Alberto Nessi, einer der bekanntesten und anerkanntesten Schriftsteller der italienischen Schweiz, präsentiert mit Ladro di minuzie einen Einblick in sein gesamtes poetisches Schaffen: vom Debütband I giorni feriali (Pantarei, 1969) bis zu Se luce non splende, «einer Auswahl von in Buchform unpublizierten Texten aus den Jahren 2000 bis 2009». Die über 200 Seiten zeigen einen Dichter mit klarem, erzählendem Stil, der seinen Weg seit über vierzig Jahren konsequent verfolgt. Auch seine Lyrik entzieht sich nicht dem sozialem Engagement, sie beharrt im Gegenteil darauf – einer Menschheit zum Trotz, «die, obwohl ihr der Klassenkampf bekannt ist, nicht zur geschichtlichen Vergeltung bestimmt ist» (Mengaldo). Viel Natur, heute und gestern: Natur, die dem rasenden Fortschritt trotzt, doch immer schwächer und unbeständiger wird. Und viele Figuren aus dem Alltag, die das Wort ergreifen, um vom wahren, gelebten Leben zu sprechen. Durch die Feder des Autors, der schon als Student die Poesie eher im Zweitklasseabteil des Zugs als in den Literaturseminarien suchte: «annusando la poesia negli scompartimenti / di seconda più che nei seminari di letteratura».
(Yari Bernasconi, Viceversa Literatur 5, 2011, Übersetzung von Barbara Sauser)