Von Roman zu Roman schafft Marie-Jeanne Urech dystopische Welten, die sie in scheinbarer Naivität und umso brillanterer Eleganz erstrahlen lässt.
La Terre tremblante präsentiert die gesammelten Briefe des Bartholomé de Ménibus, der über einen Berg nach dem anderen wandert, um ans Meer zu gelangen. Dabei trifft er seltsame Bräuche an, wie das Zurücklassen alter Leute am Strassenrand oder die intensive Schweinezucht auf Hochhäusern, bis er schliesslich an einem Plastikmeer landet.
Zwischen seinen Briefen finden sich diejenigen einer begabten jungen Frau, die sich ihm an die Fersen haftet, um ihn zurückzubringen. Anhand seiner Spuren entdeckt sie, wie die Durchreise des Abenteurers die Welt stückchenweise wieder ins Lot gebracht hat. Das tragische Epos prangert nicht nur die ökologische Katastrophe an, sondern feiert auch die Herzensgüte eines einfachen Gemüts in der Gestalt des Fremden.
(Marianne Brun, «Viceversa a lu…» et Viceversa 13, 2019, trad. rg)