Verschiebung im Gestein

Von: Mariann Bühler

Wie möchte ich sein in dieser Welt? Wie werden Veränderungen, kleine wie grosse, möglich im eigenen Alltag? Diese Fragen stellt Mariann Bühlers Debütroman, ohne darauf eine Pauschalantwort geben zu wollen. Die eigentliche Hauptfigur ist das Tal, in dem das Erzählte spielt. Elisabeth, Alois und eine namenlose Du-Erzählerin halten sich darin auf, ohne direkt miteinander in Kontakt zu kommen: Sie alle sind nach der Erfahrung eines Verlusts auf ihre Art verloren im Leben und hadern mit sich selbst. Verschiebung im Gestein ist ein ruhiges Buch, eine Geschichte, die sich offenbart wie die Landschaft und die getragen wird von der präzisen, bildreichen Sprache. (ts)

Lange hat draussen das Schild «Bis auf Weiteres geschlossen» gehangen, bis Elisabeth die Entscheidung trifft, die Bäckerei weiterzuführen. Sie allein. Jeden Morgen feuert sie an, rührt den Teig, schiebt die Brote in den Ofen – und überrascht das ganze Dorf und sich selbst dazu. In derselben Gegend Alois’ Hof. Ein Hof, seit Generationen in Familienbesitz, Alois wurde nicht gefragt, ob er ihn übernehmen wollte. Er lebt mit dem Hund, überhört die Erwartung, eine Familie zu gründen – aber etwas schnürt sich zu. Vielleicht hat das mit Camenzind zu tun. Unterdessen kehrt eine junge Frau ins Dorf zurück; die drei Stufen zur Bäckerei laufen sich wie von selbst. Bei den Grosseltern holt sie den Schlüssel zum Sommerhaus, es soll verkauft werden. Sie sieht alles wieder, den Bergkamm, das Tal, den Balkon mit der Zugbrücke. Bald, so scheint es ihr, beginnt das Haus mit ihr zu sprechen. Der Roman verfolgt drei Figuren, die nichts voneinander wissen und doch verbunden sind – durch die Gegend, das Dorf und die drängende Frage, wie es eigentlich weitergehen soll. Hartnäckig haben sich in ihnen weitläufige Spuren von Vergangenem festgesetzt, aber dann gerät doch etwas in Bewegung. In ihrem sprachlich dichten Debüt beobachtet Mariann Bühler, wie Veränderung sich ihren Weg sucht und Verschiebungen passieren, die so nie vorgesehen waren, die zuweilen sogar Berge versetzen. (Atlantis Literatur)

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