Tessiner Horizonte – Momenti ticinesi

Von: Fabio Andina, Übersetzung: Karin Diemerling

Nach dem Erfolg des Romans La pozza del Felice (Tage mit Felice, Übersetzung von Karin Diemerling, Rotpunktverlag 2018) und den Kurzgeschichten von Sei tu, Ticino? (2020) erzählt Fabio Andina erneut von seinem bergigen Tessin, oder beschreibt es vielmehr, in einem raffinierten Band mit vierhändigen Skizzen. Zusammen mit dem Architekten und Designer Lorenzo Custer vereint er in Tessiner Horizonte Momenti ticinesi nicht nur Wort und Zeichenstift, sondern mit der deutschen Übersetzung Karin Diemerlings auch zwei verschiedene Sprachen. Form und Inhalt sind schlicht und reich in einem: das gehaltvolle Notizbuch zeugt einmal mehr von der Verschmelzung des schreibenden Ichs mit der Umwelt dank seiner Fähigkeit, sie wahr- und aufzunehmen, ohne dabei den Menschen ins Zentrum zu stellen. (sl trad. rg)

mit Zeichnungen von Lorenzo Custer

Die kleinen großen Momente / I grandi piccoli momenti Ein Dorf, eingebettet in die Linien der Berge, klebt am Hang, sein Kirchturm ragt wie eine Kerze in die Höhe – eine Spannung zwischen Horizontale und Vertikale, ein typischer Tessiner Moment. Fabio Andina, der uns aus seinem Roman *Tage mit Felice* als genauer und sinnlicher Beobachter der Natur und des Dorflebens in Erinnerung ist, widmet sein neues Buch den kleinen großen Momenten im Tessin: das erste Morgenlicht, der laut rauschende Gebirgsbach, die Schwere einer Kuh im Gras und ein Dachziegel, der seit dem letzten Winter herunterzufallen droht. Wir entdecken mit dem Autor vierundsiebzig Hirsche am gegenüberliegenden Hang, erhaschen das Läuten des Campanile, den Geruch nach Schnee, zuweilen eine aufkommende Kindheitserinnerung und einmal sogar einen unverhofften Kaffee. Im Zusammenspiel mit den Zeichnungen von Lorenzo Custer, der mit wenigen Strichen das Wirkungsgefüge Mensch-Natur der Tessiner Landschaft festhält, wird in den kurzen Erzählungen – parallel auf Deutsch und Italienisch zu lesen – das Wesentliche dieser geheimnisvollen, von Berg und Tal, Wald, Stein und Wasser und ihren Bewohnern geprägten Welt erkennbar. Horizonte öffnen sich auf einen Reichtum, der in der Kargheit liegt. Un villaggio, incastrato nelle linee delle montagne, si aggrappa alla collina, il suo campanile si erge come una candela – una tensione tra l’orizzontale e il verticale, un tipico momento ticinese. Fabio Andina, che ricordiamo per il suo romanzo *La pozza del Felice* come osservatore preciso e sensuale della natura e della vita di paese, dedica il suo nuovo libro ai grandi piccoli momenti del Ticino: la prima luce del mattino, lo scrosciare rumoroso di un ruscello di montagna, la pesantezza di una mucca nell’erba e una tegola che minaccia di cadere dall’inverno scorso. Scopriamo con l’autore settantaquattro cervi sul versante opposto della vallata, cogliamo il rintocco del campanile, l’odore della neve, a volte un ricordo d’infanzia, e anche l’inaspettato invito per un caffè. In combinazione con i disegni di Lorenzo Custer, che cattura l’interazione dell’uomo e della natura nel paesaggio ticinese con pochi tratti di penna, i racconti – che si possono leggere in tedesco e in italiano – rivelano l’essenza di questo mondo misterioso modellato da montagne e valli, foreste, pietra e acqua e dai suoi abitanti. Gli orizzonti si aprono su una ricchezza che si trova nell’aridità. (Rotpunktverlag)

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