Grit

Von: Noëmi Lerch

Mit Grit knüpft Noëmi Lerch an ihr viel gelobtes Debüt Die Pürin an. Die ins Alter gekommene Grit lebt bei ihrer Tochter Wanda in einem stillen, abgelegenen Tal. Die Stadt ist nur aus der Ferne vernehmbar, sie beeinträchtigt den ländlichen Alltag kaum. In dem ärmlichen Haus führen Frauen das Regime, während die Männer abwesend bleiben. Der Roman entfaltet mit einer sparsamen, zuweilen träumerischen Sprache einen Bogen der Erinnerung über mehrere Generationen hinweg, der vieles im Schwebenden lässt, weil sich dafür keine Worte finden. In dieser Form ist Grit mehr als blosse Wiederholung eines erfolgreichen Debüts. (bm)

Grit
Eine Hütte am Rande einer kargen Ebene. Im Innern der Hütte ein Kessel. Am Kessel eine junge Frau, sie rührt mit der Harfe die Milch. Wenig Licht kommt durch das Fenster, wo eine alte Frau im Offiziersmantel steht und raucht. In dieser Stille die beiden Frauen, deren Leben kaum unterschiedlicher sein könnte. Die Ältere hat studiert und in der Politik Karriere gemacht, die Jüngere umsorgt einen kleinen Hof und zwei Kinder. Trotz ihrer Verschiedenheit sind die beiden Frauen durch ein starkes Band verbunden, sie sind Mutter und Tochter. Eines Morgens setzt sich eine Krähe auf den Fenstersims, und die Mutter beginnt zu erzählen, von den Hühnern, der Sprache der Tiere, den Ahnen. Aber die Tochter unterbricht sie: «Bevor Du mir mit den Ahnen kommst, Mutter, sag mir erst einmal, was aus mir geworden ist.» (Buchpräsentation verlag die brotsuppe)

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