E in ogni crepa dorme una lucertola – Und in jeder Ritze schläft eine Eidechse

Von: Plinio Martini, Übersetzung: Christoph Ferber

Die zweisprachige Anthologie E in ogni crepa dorme una lucertola / Und in jeder Ritze schläft eine Eidechse, die Christoph Ferber herausgegeben und übersetzt hat, richtet sich sowohl an ein deutschsprachiges als auch an ein italienischsprachiges Publikum. Verdienstvoll präsentiert sie eine Auswahl von Plinio Martinis unveröffentlichten oder schwer auffindbaren Gedichten und bietet damit auf wenigen Seiten einen Überblick über die Lyrik eines der grössten Autoren der italienischsprachigen Schweiz. Auch wenn sie weniger bedeutend ist als die Prosa des Autors, ergänzt Plinio Martinis Lyrik doch die Themen und Gedanken, die sich in den Romanen und in den gesellschaftspolitischen Schriften des Autors finden. (am Übers. rg)

Plinio Martinis Lyrik kennt drei Schaffensperioden. Die erste ist lyrisch und elegisch und findet sich in den beiden ersten im Druck erschienenen Werken des Autors. Die zweite wird durch ihr religiöses Engagement charakterisiert; aber nur vereinzelte Gedichte daraus wurden in Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt, war doch die geplante Veröffentlichung des dritten Lyrikbandes zuerst durch Schwierigkeiten bei der Verlagssuche, dann durch das nachlassende Interesse des Dichters, der für sich neue Ziele gefasst hatte, gescheitert. Die tiefgreifenden Veränderungen in der Kultur und der Gesellschaft der Sechzigerjahre haben den Autor auch anderweitig sehr in Anspruch genommen. Die dritte lyrische Schaffensperiode folgt unmittelbar auf das Erscheinen des ersten Romans *Il fondo del sacco* (1970, *Nicht Anfang und nicht Ende*), und zwar noch bevor er mit der Arbeit an seinem zweiten Roman *Requiem per zia Domenica* (1975, *Requiem für Tante Domenica*) begann. Es handelt sich vor allem um Gedichte epigrammatischen Charakters, von denen die meisten erst postum veröffentlicht wurden. Christoph Ferbers Auswahl berücksichtigt mit Scharfsinn und Gleichgewicht alle drei Schaffensperioden. Neunzehn Gedichte stammen aus *Paese così*(1951), Martinis Erstling mit dem programmatischen Titel; zehn Gedichte aus dem zwei Jahre darauf erschienenen *Diario forse d’amore* (1953), neun aus *Ed eri in mezzo a noi* der religiösen, bis heute unveröffentlichten Sammlung, die 1963 druckfertig war. Schließlich dreizehn Gedichte aus der Zeit 1972–1973, die meist postum erschienen sind; einige wenige wurden in François Lafrancas Kunstdruck *Le catene* (1975) publiziert. Diese rund fünfzig ins Deutsche übersetzten Gedichte stellen auch im Original die bisher weitaus grösste Auswahl von Martinis Lyrik dar. (Caracol Verlag)

Mehr zu Plinio Martini

Mehr zu Christoph Ferber