Donauwürfel
Von: Zsuzsanna Gahse
- Edition Korrespondenzen, Wien, 2010
In ihrem Gedichtzyklus Donauwürfel folgt Zsuzsanna Gahse dem Lauf des europäischen Stroms und bettet ihn ein in ein poetisches Programm: Zehn Silben mal zehn Zeilen bilden ein Quadrat, zehn Quadrate einen der insgesamt 27 Donauwürfel. So fliesst die Donau sprachlich aufgehoben von den schwäbischen Quellen durch die Wachau hinab ins Schwarze Meer. In streng rhythmisierter und dennoch entspannter freier Rede mäandert, fliesst, strömt sie durch vielfältige Landschaften und Sprachräume und spiegelt diese in ihren Wellen.
Auf Wasser gebaut ist auch Venedig, die Stadt mit dem feuchten Hauch von Tod. Zsuzsanna Gahse hat ein paar Wochen dort verbracht und an den Rändern ein anderes Venedig entdeckt. Vom Mythos der Lagunenstadt wenig beeindruckt, trägt sie dem formal Rechnung, indem ihre kurzen poetischen Blitzlichter längs dem Mittelfalz des Buches folgen und den Grossteil der Seiten frei lassen – für Nichts. «Ich brauche Venedig nicht zum Verschwinden zu bringen, stattdessen verschwinde ich.» (Beat Mazenauer)