Bei den grossen Vögeln

Von: Annina Haab

Enkel und Grosseltern verstehen einander, ganz speziell in Annina Haabs Debütroman. Die junge Erzählerin hängt sehr an ihrer betagten Grossmutter Ali. Über ihre zärtliche Zuneigung legt sich aber wie ein Schatten der Umzug von Ali in ein Pflegeheim. Hier besucht sie die Erzählerin, fragt sie über ihr Leben aus und beschreibt die beklemmende Stimmung im Heim, das kein Zuhause mehr ist. Annina Haab erzählt es mit grosser Behutsamkeit und Empathie, jedoch auch etwas spannungslos. Es geschieht das Erwartbare. (bm)

Seit Ali im Altersheim ist, spricht sie ständig vom Sterben. Für ihre Enkelin aber bleibt ihr Tod undenkbar. Sie beginnt, alles, was mit Ali zu tun hat, aufzuschreiben, und merkt, wie wenig sie weiß: über ihre Kindheit und Jugend, die Jahre in London, ihre Arbeit in der Fabrik. Anhand von Fragmenten, Anekdoten und mit viel eigener Fantasie entwirft die Erzählerin eine mögliche Lebensgeschichte, versucht, den Schalk und die pragmatische Art ihrer Großmutter festzuhalten. So eröffnen sie einen gemeinsamen Raum, in dem sich jede auf eigene Weise auf den bevorstehenden Abschied vorbereiten kann. Ein zu Herzen gehender, humorvoller, sprachlich fein gearbeiteter Roman über das Abschiednehmen von geliebten Menschen. (Piper Verlag)

Mehr zu Bei den grossen Vögeln