Per una fetta di mela secca

über Per una fetta di mela secca von Begoña Feijoó Fariña

Anhand der fiktiven Geschichte von Lidia Scettrini, die Ende der 50er-Jahre in Val Poschiavo aufwächst, erzählt Begoña Feijoó Fariña das Drama der Verdingkinder, dieses traurigen Kapitels der Schweizer Geschichte zwischen 1930 und 1970. Weil sie einem Schulkameraden einen getrockneten Apfelschnitz stibitzt, landet Lidia zuerst in einer Anstalt und dann bei einem Bauern, wobei sie physische und psychische Gewalt erleidet – Erfahrungen, die sie für immer prägen. Mit grosser Aufmerksamkeit für das Seelenleben ihrer Figur und mit einem Erzähldispositiv, das besonders hervorhebt, was auf diesem Lebensweg fehlt, beleuchtet die Autorin eine historische Realität und verleiht ihr eine Stimme. Nach und nach kann sich das Kind von einst zurückerobern, was ihm verwehrt wurde. (Carlotta Bernardoni-Jaquinta, Übersetzung Ruth Gantert, in Viceversa 15, 2021)

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