Als sie noch ein Kind war, tötete bei einem Unfall einer von Marielsas Brüder den anderen. Diese traumatische Szene bedeutet einen Bruch. Das kleine Mädchen lernt, mit der Abwesenheit umzugehen, zwischen Schmerz und Freude, Stille und Leben zu schwanken. So wird sie gleichzeitig zu Marie, der Vernünftigen, und zu Elsa, die ihrem Instinkt folgt, und wandelt von den ersten Liebesbeziehungen bis zur Krankheit immer am Rand des Abgrunds.
Der erste Roman von Denise Muths kommt einer Lebensgeschichte gleich. In kurzen Kapiteln geben die lakonischen Sätze den Ereignissen, die die ersten fünfzig Lebensjahre Marielsas geprägt haben, eine Gestalt und lassen darin den ständigen Kampf zwischen Schatten und Licht erkennen. Sie tun dies wirkungsvoll und packend, umso mehr, als der Gebrauch des Präsens und der Eindruck eines wilden, allen Hindernissen trotzenden Laufs der Erzählung einen hartnäckigen Rhythmus verleihen. (Marianne Brun, Übersetzung rg)