Die feine Gesellschaft ist zur Hochzeit geladen – aber wer nicht auftaucht, ist die Braut. Umso mehr beschäftigt sie die Geister in diesem bürgerlichen Mikrokosmos der Hochzeitsgesellschaft. In ihrem ersten Roman lässt Laure Mi Hyun Croset die Gäste vertraulich über die Abwesende plaudern, in salbungsvollen Phrasen die einen, in volkstümlicher Lebhaftigkeit die anderen. Dabei fügt sie das nötige Quäntchen Ironie bei, um das in seinem kulturellen Erbe eingeengte Milieu vorzuführen.
Niemand hat wirklich sehen können, wer Louise war. So entwirft die Autorin indirekt ein barockes Porträt, von dem sie zu verstehen gibt, dass es ein Selbstporträt in Trompe-l’œil-Malerei ist. «Louises ganzes Leben, wie ihr Werk, liess sich auf eine rhetorische Figur zurückführen: die Präterition oder die Kunst, etwas hervorzuheben, indem man so tut, als wolle man es vergessen machen.» (Marianne Brun, «Viceversa a lu», Übers. rg)