Der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch liegt endlich vor. Die gut 300 Briefe sind sehr sorgfältig ediert, interpretiert und kommentiert. Zwischen Dichtung und Wirklichkeit ist nur eine dünne, durchlässige Membran gespannt: »Du bist ein Meertier, das nur im Wasser seine Farben zeigt«, schreibt Frisch im dritten Brief, als ob Undine vor ihm stünde, die doch erst drei Jahre später auf die Welt kommt. Man liest die Briefe atemlos, denn sie sind messerscharf sezierend, voller Zärtlichkeit und Sehnsucht, Einsamkeit, Wut und Verzweiflung, aber auch voller Humor: »Und nimm doch die Pfeife aus dem Mund«. Manch böses Gerücht über die Beziehung dürfte sich in Luft auflösen – was bleibt, ist die Sprachkraft der Texte. (Jens-Peter Kusch in Viceversa 17, 2023)