Herzvirus, Bettina Spoerris zweiter Roman, ist ein persönliches Erinnerungsbuch. Die Erzählerin schildert Anekdoten aus ihrer Kindheit mit der alleinerziehenden Mutter, die an einer schweren psychischen Störung litt. Überzeugend vermittelt sie die kindliche Sicht auf die Vorfälle und Zustände in der Familie. Flankiert sind die eindrücklichen Schilderungen von gegenwärtigen Reflexionen, in denen die Autorin die Krankengeschichte ihrer Mutter analysiert und interpretiert. Das ist verständlich und mutig, nimmt den Geschichten aus der Kindheit allerdings etwas von ihrem rätselhaften Reiz. (Florian Bissig in Viceversa Literatur 11, 2017)