Auf Distrazioni folgt drei Jahre später ein neuer Gedichtband, Biografemi, der jedoch Destillate eines ganzen Lebens zu präsentieren scheint. Der ins achte Lebensjahrzehnt eintretende Alessandro Martini blickt zurück auf seine Erfahrungen als Autor und Leser, Sohn des großen Tessiner Schriftstellers Plinio Martini, Vater und unterdessen auch Großvater. Allgegenwärtig sind dabei seine Lebensbegleiter: Bücher und Lieblingsautoren, aber auch Lehrmeister und Freunde, deren Gedächtnis er weitergibt, selbst wenn er sie nicht beim Namen nennt. Der Stil des Bandes ist mild, hier und da von jener feinen Ironie durchzogen, die aus der Distanz entsteht. So gibt der Dichter Persönliches preis, angefangen beim Kind in einer religiös geprägten Welt, "schwebend / zwischen Erde und Himmel / am täglichen Scheideweg / zwischen leichtem Abstieg und mühseligem Aufstieg".
(Matteo Ferrari, Übers. rg, "Viceversa Literatur", n. 12, 2018)