Pauline Desnuelles’ zweiter Roman spielt auf einer trockenen, der Meeresgischt ausgesetzten Insel, wo ausser den Touristen niemand schwimmen geht. Der junge Irländer Liam gibt den einheimischen Kindern Schwimmunterricht – bis eine Schülerin verschwindet. Er fühlt sich schuldig. Wie konnte er sich nur anmassen, seine Begeisterung für das Meer mit den Inselbewohnern zu teilen im Glauben, sie dadurch freier zu machen? Ist er selbst denn etwa frei?
In einer abgehackten, bei Ausbruch des Dramas atemlosen Sprache gibt die Autorin die auf der Insel herrschende stumme Gewalt wieder, ihre unausgesprochenen Regeln, ihre bleierne Sonne und ihre Zeit, «die zu nichts, nur zum Vergehen da ist». Sie schafft so eine spezielle Atmosphäre des Gefangenseins auf der Insel wie in sich selbst, und hinterfragt das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ort und zu einem Volk. (Marianne Brun, Übers. rg)