Leta Semadeni erhält den Schweizer Grand Prix Literatur 2023
L'Office fédéral de la culture remettra ses Prix littéraires suisses le 19 mai à l'occasion des Journées littéraires de Soleure
Bern, 16.02.2023 - Als Persönlichkeit, die in der rätoromanischen Literatur ihren festen Platz hat, erhält Leta Semadeni den Schweizer Grand Prix Literatur 2023 für ihr Gesamtwerk. Der Spezialpreis Vermittlung geht in diesem Jahr an das Projekt «Schulhausroman», das Jugendlichen die Gelegenheit bietet, sich beim Schreiben eines Romans begleiten zu lassen. Sieben Autorinnen und Autoren werden mit einem Schweizer Literaturpreis für ein im vergangenen Jahr erschienenes Werk ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet am Freitag, 19. Mai 2023, im Rahmen der Solothurner Literaturtage in Anwesenheit von Nationalratspräsident Martin Candinas statt. (Bundesamt für Kultur)
Das Bundesamt für Kultur vergibt seine Literaturpreise am 19. Mai anlässlich der Solothurner Literaturtage
Der Schweizer Grand Prix Literatur 2023 geht an Leta Semadeni
Leta Semadeni wurde 1944 in Scuol geboren und lebt seit 2005 in Lavin.
Sie schreibt Lyrik, Kurzprosa, Romane und Kinderbücher und verfasst fast alle ihre Texte sowohl auf Rätoromanisch als auch auf Deutsch: Sie erforscht die Sprachbarrieren und spielt mit ihnen. Eine fabelhafte und poetische Tierwelt belebt ihr Schaffen, Tiere sind allgegenwärtig. «Immer wieder schleicht ein Tier durch meine Texte»: ein Fuchs, eine Katze, ein Hund, Wildtiere im Wald und überall Vögel. Der Mensch scheint zuweilen mit dem Tier zu verschmelzen.
Leta Semadenis Werk ist von schroffer Schönheit, an der wir uns ebenso reiben wie die Protagonistinnen und Protagonisten ihrer Romane an der oftmals schmerzvollen Welt.
Sie fordert uns dazu auf, gegenüber dieser Welt, die uns umgibt, wachsam und offen zu bleiben und dort zu sein, «wo die Pfote die Erde berührt».
Die Texte von Leta Semadeni wurden auf Französisch, Italienisch, Spanisch, Tschechisch, Englisch und Russisch übersetzt. Mit ihrem Werk überschreitet sie die Grenzen der Genres und erreicht ein grosses Publikum. 2011 erhielt sie den Schillerpreis für ihren Gedichtband In mia vita da vuolp/In meinem Leben als Fuchs, 2016 den Schweizer Literaturpreis für den Roman Tamangur und 2020 den Josef Guggenmos-Preis für ihre Kinderlyrik. Ihr neustes Buch Amur, grosser Fluss erschien 2022 im Atlantis Verlag. Im selben Jahr übergab sie ihr Archiv dem Schweizerischen Literaturarchiv in Bern.
Der Spezialpreis Vermittlung 2023 geht an das Projekt «Schulhausroman»
Der Spezialpreis Vermittlung geht an ein Projekt, das 2005 durch den Gründer des Zürcher Literaturhauses Richard Reich und die Kulturvermittlerin Gerda Wurzenberger ins Leben gerufen wurde: 13- bis 15-jährige Schülerinnen und Schüler werden durch erfahrene Schriftstellerinnen und Schriftsteller beim gemeinsamen Schreiben eines Romans begleitet. Anschliessend wird der Roman herausgegeben und ausserhalb der Schule an einer öffentlichen Lesung vorgestellt. Dank diesem neuen und originellen Ansatz gewinnen Jugendliche, denen Lesen oder Schreiben Schwierigkeiten bereitet, mehr Selbstvertrauen. Das Projekt bietet ihnen die Möglichkeit, sich mit den Ideen und Gefühlen ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler auseinanderzusetzen und ihren Blick auf die Welt zum Ausdruck zu bringen. Nach dem Erfolg in der deutschsprachigen Schweiz wurde das Projekt 2009 in der französischsprachigen Schweiz und 2017 im Tessin und in Graubünden eingeführt. Heute können auf der Website Schulhausromane rund 200 «Schulhausromane» bestellt werden.
Schweizer Literaturpreise 2023
Die sieben ausgezeichneten Bücher bilden eine grosse Vielfalt ab: Vier Sprachen, zwei Gedichtsammlungen, eine Graphic Novel und vier Prosawerke – und ebenso viele Welten, Ausdrucksweisen und Melodien, die alle von der Liebe zum Schreiben zeugen.
Prisca Agustoni (1975 in Lugano geboren, lebt im Tessin und in Brasilien), Verso la ruggine, Interlinea
Jachen Andry (1957 in Zürich geboren, lebt in Barcelona und Scuol), be cun rispli, editionmevinapuorger
Fanny Desarzens (1993 in Lausanne geboren, lebt in Lausanne), Galel, Editions Slatkine
Eugène (1969 in Bukarest, Rumänien, geboren, lebt in Lausanne), Lettre à mon dictateur, Editions Slatkine
Lioba Happel (1957 in Aschaffenburg, Deutschland, geboren, lebt in Lausanne und Berlin), POMMFRITZ aus der Hölle, edition pudelundpinscher
Lika Nüssli (1973 in Gossau geboren, lebt in St. Gallen), Starkes Ding, Edition Moderne
Anne-Sophie Subilia (1982 in Lausanne geboren, lebt in Lausanne) , L’Épouse, Editions Zoé