Wie die Milch aus dem Schaf kommt

Von: Johanna Lier

Eine 35-jährige Frau sucht die Spuren ihrer jüdischen Herkunft im Osten Europas. Sie reist in die Ukraine, von wo vermutlich ihre Vorfahrin Hannah 1942 in die Schweiz geflüchtet war. Im Thurgauischen haben sie und ihr Mann die erste Nudelfabrik aufgebaut. Johanna Liers Wie die Milch aus dem Schaf kommt ist ein breit angelegter Roman über die Suche nach Familie und Identität. Das Buch erzählt engagiert mit grossem formalen Reichtum, der jederzeit spüren lässt, dass es der Autorin dabei um viel geht. Es ist auch ein Teil ihrer eigenen Geschichte. (Beat Mazenauer in Viceversa 14, 2020)

Selma Einzig macht in der Hinterlassenschaft ihrer Grossmutter Pauline einen schockierenden Fund. Aus ihrem Alltag herausgerissen macht sich die 35-jährige Protagonistin auf die Suche nach verdrängten Teilen ihrer Familiengeschichte. Sie führt sie in die Ukraine und nach Israel. Wer waren die papier- und mittellosen Vagabunden, die aus dem Gebiet der heutigen Ukraine in den Thurgau flüchteten und im kleinen Weiler Donzhausen die erste Nudelfabrik in der Ostschweiz gründeten? Die Reise führt aus dem Vergessen und Verdrängen zu Orten der Selbstentdeckung. Das Erfinden von Erinnerungen, das Fabulieren, aber auch das Erforschen der Gegenwart und Zufallsbekanntschaften erweisen sich als überraschende Mittel, um Lücken zu füllen. Eine Suche nach der eigenen Herkunft, die höchst ambivalent bleibt und mitunter auch von einem verstörenden Unbehagen begleitet wird. Die Erkenntnis, dass sich im Grunde nichts ändert, man lediglich ein Stück seines Wegs gegangen ist, lässt Selma Einzig ihr Vorhaben am Rand eines Kraters in der Wüste Negev in Rauch aufgehen. Der Bericht einer abenteuerlichen Reise in einer globalen Gegenwart. Und ein Stück überraschender Industrie- und Migrationsgeschichte aus der Schweiz des 19. Jahrhunderts. (Buchpräsentation Verlag die brotsuppe)

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