Weißzeug

Von: Thomas Dütsch

mit Kohlezeichnungen von Sue Rychener

> **An einem Karfreitag** > Auf dem Friedhof fährt ein kühler Wind > in die Zweige des Magnolienbaumes > Gleichmäßig verteilt er seine weißen Blüten > auf die alten und neuen Gräber und > auf die schmalen Pfade zwischen ihnen Manche Lyriker agieren als nimmermüde Stenografen und Seismografen ihrer Zeit. Sie registrieren jede kleinste Irritation ihrer Sinne. Ihr Werk gleicht einem Tagebuch von vielen tausend Seiten. Andere Dichter wiederum lassen sich Zeit. Geduldig warten sie auf die Stunde der wahren Empfindung. Sie denken lange nach, verwerfen vieles. Doch was sie dann publizieren, überzeugt durch Sorgfalt, Formbewusstsein, Aufmerksamkeit. Thomas Dütsch ist so ein Dichter. Der Autor geht in seinen Texten meist von seinen konkreten Wahrnehmungen und Empfindungen aus. Diese aber verdichten sich zu wunderbaren kleinen Epiphanien des Alltags. Wunder, so lernen wir, ereignen sich im Auge des geduldig neugierigen Betrachters. (**Manfred Papst**, NZZ am Sonntag) (Edition Howeg)