Vom Verschwinden der Cousine

Von: Francesco Micieli

Beim ersten Mal verschwindet die Cousine nur, um bald zurückzukehren. Dann verschwindet sie für immer. Zurück bleibt der trauernde Erzähler, der sie literarisch nochmals in Erinnerung ruft. Sie beide sind Kinder einer italo-albanischen Minderheit, der Arbreshë. Sie kamen mit ihren Eltern in die Schweiz, wo sie Ausgrenzung erfuhren, um dennoch ganz schweizerisch zu werden. Die heimische Sprache war ihnen gemeinsam. Doch mit ihrem Tod geht ein Stück dieser Sprache verloren. Francesco Micieli hat aus seinen Erinnerungen an seine Cousine ein Requiem geschaffen, das präzise erzählt und zugleich etwas poetisch Schwebendes behält. (Beat Mazenauer in Viceversa 14, 2020)

Die Erinnerungen an die Cousine, die mit vierzig an Herzversagen gestorben ist, treiben den Protagonisten um. Herkunft und eine ähnliche Migrationsgeschichte verbanden die junge Mutter und den namenlosen Erzähler, sie waren sich wichtige Bezugspersonen. Nun erinnert er sich an ihre Begegnungen, an ihre Worte, auch an ihrer beider Stimmen. Stimmen, die aus einer Zeit zwischen einem zeitlosen Heute und einer längst vergangenen Ursprungszeit zu stammen scheinen und sich auf der Suche nach gelebtem und möglichen Leben immer stärker verweben. Er erzählt von ihren Wahrnehmungen, davon, wie sie ihm von einer weiteren Schwangerschaft berichtet, der sie sich nicht mehr aussetzen will, ihren Entscheidungen. Das Leben scheint ihr immer wieder zu entgleiten oder verschwindet in ein Universum, in dem sich die beiden Stimmen zu einer einzigen Stimme verbinden. Ein raumschaffender und poetischer Text. (Buchpräsentation Zytglogge Verlag)

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