Volo in ombra
Von: Anna Ruchat
- Quarup, Pescara, 2010
“Tief in meiner Geschichte eingeschriebe, ist - von Anbeginn - der Tod meines Vaters. [...] Meine gesamte Kindheit ist ausgefüllt von der enormen Präsenz des Todes und seines Tabus. Eine sehr lange Arbeit war nötig, um eine Lücke zu finden, in welche hineinschlüpfen und meiner Geschichte ins Auge schauen zu können”. In einem Interview, das in «Feuxcroisés» Nr. 8, 2006 erschien, erklärte Anna Ruchat die Gründe ihrer langen Lehrjahre als Übersetzerin, welche zu ihrem späten und beeindruckenden Début als Autorin mit der Publikation der Erzählungen _In questa vita _geführt haben (Casagrande, 2004). Dieses autobiographische Ereignis aus dem dunklen Loch herauszuholen - Antimaterie eines Werkes oder gar der Literatur selbst - ist die schmerzliche Aufgabe des neuen Buches, Volo al buio [Flug im Dunkeln]. Der Band ist in drei Sektionen aufgeteilt: in der ersten wird das autobiographische Ich dank einer narrativen Verwandlung durch ein Mädchen ersetzt, welches kein Recht auf den Verlustschmerz zu haben scheint (“quel dolore è un furto e Sofia non vuole sentire”) und in der bereits tragische Fundstücke wie Risse in der Narration auftauchen (das eiskalte Protokoll des Flugzeugabsturzes). Im dritten Teil schlüpft Ruchat in ein historisiertes Ich hinein und berichtet über die von ihr geführte Untersuchung über den Tod des Vaters, über die Pflicht der _memoria _und der Vergegenwärtigung. In der mittleren Sektion übernimmt der "Abgestürzte" selbst das Wort, in den letzten, ausgedehnten, tragischen Augenblicken seines Lebens im Flug.