Villa Royale
Von: Emmanuelle Fournier-Lorentz
- Gallimard, Paris, 2022
Nach dem Selbstmord ihres Vaters ziehen Palma und ihre Brüder im Frankreich der 1990er Jahre in weniger als fünf Jahren über zwanzigmal um – je nach den befristeten Stellen der Mutter auf ihrer ständigen Flucht vor dem Kummer und den Schulden. Villa Royale lebt von der bald melancholischen, bald aufmüpfigen Stimme der Erzählerin, die sich an der Schwelle zum Erwachsenwerden an ihre «abnormale» Kindheit erinnert und dabei den hartnäckigen Zusammenhalt der nach einer allzu frühen Begegnung mit dem Tod und der Entwurzelung auf sich selbst gestellten Geschwister feiert. Die Beziehung zwischen den Brüdern und der Schwester wird nicht idealisiert, sondern in ihrer ganzen Ambivalenz geschildert, samt regressiven oder gefährlichen Spielen, Heimlichkeit und Schelmenstreichen. Titel wie auch Thematik lassen an Modiano denken: die verlorene Jugend, die Archäologie der Erinnerung, die Suche nach der Identität. (ald Übers. rg)