Vierfleck oder Das Glück

Von: Katharina Geiser

Zwei Paare und sechs Kinder – aber nur ein Vater. Die Konstellation in den Familien Esslinger und Zimmer wäre brisant, fände sie nicht das Einverständnis aller Beteiligten. Während der Indologe Heinrich Zimmer erotische Kraft ausstrahlt und mit zwei Frauen Kinder zeugt, begnügt sich der homosexuelle Eugen Esslinger mit der Rolle als sorgender Ehemann. Katharina Geiser hat aus dem Nachlass der Familie Esslinger einen spannenden Stoff literarisch verarbeitet, der zugleich ein Sittenbild der Jahre 1900 bis 1944 zeichnet. Genau und zurückhaltend erzählt sie, wie zwei Männer und zwei Frauen eine Wahlverwandtschaft lebten, die der gesellschaftlichen Norm zuwiderlief. (bm)

Vierfleck oder Das Glück
Dies ist die Geschichte eines Mannes, der einiges gewinnt und alles verliert. Eugen Esslinger, Sohn eines Miederwarenfabrikanten, lebt zunächst von seinem ererbten Vermögen, ist homosexuell und heiratet Mila Rauch, mit der er drei Kinder hat. Deren Vater aber ist er nicht. Seine Frau hat eine lebenslange Beziehung mit dem berühmten Indologen Heinrich Zimmer. Dieser ist mit Christiane von Hofmannsthal, der Tochter des großen Dichters, verheiratet. Auch wenn Eugen Esslinger hinter allen anderen verschwindet, steht er in diesem Roman im Mittelpunkt, als ein Mensch, der viel liebt, der früh verlernt, sich zu behaupten, und der in seinem Leben wie in den Leben derer, mit denen er es teilt, selten mehr ist als eine Nebenfigur. Und der in dem einen entscheidenden Moment nicht da ist, um jemanden zu retten … Es sind vier Jahrzehnte deutscher Geschichte (1900–1944), die in diesem Roman lebendig werden, vor allem, und das ist die große Kunst seiner Autorin, in den Details, abseits der Hauptsachen und der Hauptfiguren. Katharina Geiser macht das Lebensgefühl jener Jahre spürbar, und sie erzählt diese Geschichte so heiter, dass es schmerzt. (Buchpräsentation Jung und Jung)

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