Verfehlte Orte

Von: Christoph Geiser

Der fünfteiligen Erzählband verbindet Reportage und Privates mit Reminiszenzen an ein erfahrungsreiches Schriftstellerleben. Erzählt wird von Orten – Berlin, Venedig, Rupperswil (dem Schauplatz eines Mehrfachmordes). Projektionen, Erinnerungen, Computerrecherchen schieben sich über die Beobachtungen. Verfehlte Orte? Liegt es am Erzähler oder vielmehr an der prinzipiellen Schwierigkeit im sog. «Informationszeitalter» unmittelbar zu erleben? Geiser entfaltet den Facettenreichtum von Ortserfahrungen in anschaulichen, hochreflektierten und agilen Texten. Drei davon sind Liebeserklärungen an Museen und insbesondere an einen mit meisterhaften Bildbeschreibungen evozierten Künstler, Adolph Menzel. (Dominik Müller in Viceversa 14, 2020)

Der x-fach preisgekrönte 69-jährige Christoph Geiser ist ein Dichtkunst-Sonderfall: multifunktionaler Grenzgänger und dabei immer »Jetztmensch«, Erstwohnsitz Bern und doch merkbar Lebensmittelpunkt Berlin, spürsinniger Rechercheur, kämpferischer Zeitdiagnostiker beim allgemeinen wissen- und gewissenlosen Vergessen und Verdrängen, melancholischer Nostalgiker und sprachartistischer Spezialist für politische Ost-West-Weltbetrachtung und verwirrte Gefühlsempfindung, up-to-date bis zur jüngsten Tagesaktualität (Trump in Nordkorea), begnadeter Feuilletonist und Essayist, penibler Fakten-Realist und Fiktion-Phantast, philosophierender Logiker und ortskundiger Logistiker, tabubrechender Psychologe, eminent belesen mit Stilverwandtschaften zu Dürrenmatt und Robert Walser, beängstigend authentischer Augenzeuge als Undercover-Gerichtsreporter im Schweizer Hinterland, verspielt witzig grübelnder Etymologe mit Unterscheidungsvermögen zwischen »lebenslang« und »lebenslänglich«, virtuoser Reflexions-Stilist mit Vorliebe für Kleist'sche Satzungeheuer, setzt sich als Schwuler fröhlich von »Klemmschwestern« ab, überlebt aber eigentlich nur als glühend schönheitstrunkener Museums-Freak zwischen dem Darmstädter Landesmuseum, der Berliner Nationalgalerie, wo er, ungeniert vorbei an allen zurückhaltenderen Kunsthistorikern, die er übrigens beim Namen nennt, Menzel als Knaben-Liebhaber outet, und dem Promi-Friedhof von San Michele. Kurz und gut: Dieser sonderliche Autor nimmt seine Leser zum unweigerlich direktesten Nachfühlen überallhin mit … Haben wir alles über diese wundersam-wunderbaren Texte gesagt? Entdecken Sie mehr, entdecken sie Christoph Geiser wieder! (Buchpräsentation Secession Verlag für Literatur)

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