Verbeugung vor Spiegeln

Von: Martin R. Dean

Martin R. Dean und Lukas Bärfuss legen Essays aus den letzten Jahren vor. Das stimmt neugierig insbesondere unter dem Aspekt, wie sich die beiden Autoren im Spannungsfeld von Literatur und Öffentlichkeit in Stellung bringen. Von beiden ist bekannt, dass sie sich kritisch und leidenschaftlich mit gesellschaftspolitischen Fragen auseinandersetzen. In ihren neuen Essays jedoch beharren Bärfuss wie Dean auf dem Primat der Literatur, die zuallererst in der persönlichen Erfahrung gründet. Sie demonstrieren eindrücklich und stellenweise brillant, wie Wachsamkeit, Offenheit und Sensibilität das wichtigste Instrumentarium ist, um die drängenden Fragen der Zeit zu erkennen. (bm)

Verbeugung vor Spiegeln
Das Fremde in uns und das Fremde um uns – beides könnte und sollte uns bereichern. Martin R. Dean hat diese Erfahrung gemacht. Man könnte meinen, das Fremde sei allgegenwärtig. Jedenfalls gibt es kaum ein Thema, das von der Tagespolitik über die Medien bis zu den Stammtischen so heftig diskutiert wird, und immer geht es um die Fremden und um Abwehr, Regulierung und Integration. Martin R. Dean, als Sohn eines Vaters aus Trinidad in der Schweiz geboren, kennt die Debatte, vor allem aber kennt er die Erfahrung, die er in vielen seiner Romane fruchtbar gemacht hat. So auch in diesem Buch, in dem er das Fremde als radikale Erfahrungsmöglichkeit im Austausch unter Menschen beschreibt. In einer Art Selbstbegegnung sucht er nach Spuren der eigenen Verwandlung, wie sehr ihn das Fremde, die Begegnung mit dem anderen, auf Reisen, in der Literatur, zu dem gemacht hat, der er ist. Und er kommt zu einem überraschenden Schluss: Das Fremde, das eigentliche Kapital der Moderne, droht in den Prozessen der Globalisierung zu verschwinden. Um es wiederzugewinnen, müssen wir darauf bestehen, dass das Fremde fremd bleibt, wir müssen es aushalten. Und wir müssen vor allem »verlernen«, es uns verständlich machen zu wollen. (Buchpräsentation Jung und Jung)

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