Unentdecktes Vorkommen

Von: Martin Bieri

Wissenschaftliche und lyrische Erkenntnis sind einander fern und nah zugleich, denn beide werden durch Sprache vermittelt. Deshalb kann Lyrik auch ein Mittel der Erforschung sein – in der Sphäre des Intimen wie des Wissens. Martin Bieri und Eva Maria Leuenberger demonstrieren es mit stilistischer Prägnanz und gedanklicher Schärfe. In kyung forscht Leuenberger mit sparsamen, intensiven Mitteln einer Künstlerin nach, von der sie persönlich fasziniert ist, deren trauriges Schicksal aber auch eine leidenschaftliche Anklage an die Welt formuliert. Derweil stellt Martin Bieri in Unentdecktes Vorkommen wissenschaftlich-technische Vorhaben ins Zentrum, mit der der Mensch die Natur unterwirft, die dabei aber auch eine erstaunliche Schönheit entfalten. (bm)

> Hatten wir uns früher nicht auf Lieder verlassen, > Hielten wir uns nicht für immer singend wach? > > Im Klang, in Balladen bewahrten wir uns auf, > In Tonlagen und Höhen, in Tiefenfrequenzen, > > Gedichte schleuderten wir gegen die Zeit, > Gedächtnis hieß die Deponie, in der wir lagerten. (Allitera Verlag, Lyrikedition 2000)

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