Une autre époque
Von: Alain Claude Sulzer, Übersetzung: Johannes Honigmann
- Jacqueline Chambon, Paris, 2011
Dem 1953 in Basel geborenen Alain Claude Sulzer gelang 2008 mit dem Erscheinen von Un garçon parfait (Der perfekte Kellner , 2004) ein fulminanter Auftritt auf der frankophonen Literaturszene; für dieses Werk wurde er mit dem prestigereichen Prix Médicis Etranger belohnt. Danach hat der Verlag Jacqueline Chambon 2010 Leçons particulières und im Januar 2011 Une autre époque publiziert. In seinem neuesten Roman beeindruckt der Autor durch seine narrative Intelligenz und durch die Kraft des inszenierten Passionsdramas. Der Erzähler schweift in seine Jugend zurück, als er siebzehn war und versucht hatte, aus dem Nebel des Schweigens herauszutreten, in welchen seine Mutter ihn getaucht hatte. Über seinen Vater Emil weiss er nichts, ausser dass jener sich nach seiner Geburt 1954 das Leben nahm. Ausgehend von einem Photo, einziger Zeuge der Vergangenheit, verfolgt der Jugendliche die Spuren des Vaters und wird dabei herausfinden, dass er homosexuell war und mehrmals zwecks "Normalisierung" in eine psychiatrische Klinik interniert wurde. Zwischen narrativen Brüchen nehmen Szenen aus dem Leben von Emil vor unseren Augen Form an. Der schreckliche innere Zwiespalt zwischen den Konventionen der kleinbürgerlichen Familie und der Liebe zu einem Mann führt ihn zur unwiderruflichen Tat. Zwischen der starren Schwere der Geheimnisse und dem Glühen der Leidenschaft nimmt Alain Claude Sulzer die homosexuelle Beziehung in das universale Motiv der unmöglichen Liebe auf. (ja)