Und das ist alles genug

Von: Thilo Krause

Der Alltag bildet das Substrat für Thilo Krauses lyrische Wahrnehmung. Der absichtslos genaue Blick stösst auf unscheinbare Dinge am  Wegrand, oder verfolgt die wegtauchenden Dörfer zwischen einsamen Bäumen am Horizont. Das Betrachtete verdichtet sich zu intensiven Bildern einer Landschaft, die durch die vier Jahreszeiten unberührt, zuweilen fast idyllisch wirkt. Nur zwischen den Zeilen gibt sie die Narben der Zivilisation preis. In unaufgeregtem, erzählendem Ton schweift dieser lyrische Blick immer wieder auch zum Haus des Grossvaters, der vor dem Krieg noch zwei Beine hatte. (bm)

Und das ist alles genug
Nachrichten von Daheim I Manchmal nachts steige ich rauf aufs Dach sitze auf den Ziegeln mit den Füßen in der Regenrinne und unten hinter der blassen Linie meiner Zehen atmet die Stadt atmen die Fernseher in tiefen blauen Zügen. All die bettwarmen Gespinste steigen und rauschen wie ein Schwarm Tauben über die Giebel manchmal setzt sich eines zu mir putzt das Gefieder und stößt sich wieder ab ins Leere.

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