Un roi
Von: Corinne Desarzens
- Grasset, Paris, 2011
In Un roi arbeitet Corinne Desarzens weiter am Material ihres vorhergehenden Romans, Le gris du Gabon (Der afrikanische Graupapagei, 2009). Wirft die enge Verwandtschaft der beiden Bücher auch Fragen auf, so ist doch zu sagen, dass Un roi ein sehr gelungenes Werk darstellt. Die Erzählerin leistet Freiwilligenarbeit als Französischlehrerin für Asylsuchende in der Schweiz. Dabei wird ihr Leben in seinen Grundfesten erschüttert. Da sind einerseits die schrecklichen Bedingungen, unter denen die Ausländer leben: eine unterirdische Unterkunft ohne Fenster, und die verschlungenen Wege der Behörde, die Zwang und Druck ausübt. Und da ist andrerseits die Faszination für einen Eriträer mit dem Gang eines Prinzen und dem Gesicht einer Ikone. Hingerissen von seinen langsamen Gesten und seinem Schweigen, taucht die 57jährige Erzählerin wieder in die Sinnlichkeit ein. Als ihr ein Kastenwagen der Polizei ihren Liebsten entreisst, beschliesst sie, nach Äthiopien zu reisen, um zu verstehen. Mit dieser Reise schafft Un roi eine Öffnung in Bezug zu Le gris du Gabon. Hier zeigt sich das grosse Talent von Corinne Desarzens, wenn sie ferne Länder evoziert und die Liebe besingt. (mr, Über. rg)