Tropfen

Von: Kurt Aebli

Mit Tropfen legt Kurt Aebli seinen fünften Lyrikband vor. Tropfen sind Monaden und Nomaden zugleich. In Kurt Aeblis neuen Gedichten werden sie zu kleinen optischen Linsen der Meditation. Und zu Kondensaten einer fragilen Präsenz, die sich gerade am Unscheinbarsten formt. Kurt Aeblis Gedichte sind aber auch Pirsch- und Gedankengänge ins Freie, Weg- und Waldgedichte, hellwach und kontemplativ zugleich. Leicht wie mit Tusche gemalt, verführen sie zum perplexen Stehenbleiben mitten im flüchtigsten Moment - 
und sei dies weit draussen oder tief drinnen im Gedicht. (al)

Tropfen
> Meine Zeit ist ausgefüllt > mit Warten > auf das Ende > der Zeit. > Wenn der Nachbar über mir Blumen gießt, > hör ich wie das Fallen der Tropfen > langsamer wird. > Jetzt hat es > aufgehört. Ein Glockenton, die schweren Tropfen des Schneeregens – von einfachen, unauffälligen Dingen handeln Kurt Aeblis Gedichte, von auf Spaziergängen zufällig Vorgefundenem: ein laubgelber Gehweg, ein erfrorener Wasservogel, oder von Alltäglichem: die grellen Stimmen der Stadt, der liebevoll zärtliche Umgang der Zugreisenden mit ihrem Mobiltelefon. Doch Aebli sieht die Dinge in ungewohnter Weise neu. Seinem offenen, nichts Bestimmtes suchenden Blick zeigt sich im scheinbar Vertrauten das Unvertraute. Und im Entdecken des noch nie Gesehenen sieht auch der Betrachter sich neu. Ihren Dreh- und Angelpunkt haben diese Gedichte in der Vergänglichkeit von Welt und Existenz, dem Nichts, das sich zugleich als ungeahnte Fülle entpuppt, als Fülle des Augenblicks, »für den alles sich lohnt«, den aber letztlich doch »kein Wort fasst«. (Kurt Aebli, _Tropfen_. Wien, Edition Korrespondenzen)

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