Tod in Genua

Von: Romana Ganzoni

Das Zürcher Paar Paul und Nina reist nach Genua an die Beerdigung von Pauls Tante Matilde, kurz nach dem erschütternden Einsturz der Morandi-Brücke. Der Roman spielt an einem Tag, wobei viele Rückblenden in die Vorgeschichte führen. Insgesamt vermag der Text nicht in jeder Hinsicht zu überzeugen, besticht aber mit unzähligen Details, mit Beschreibungen von Gegenständen oder psychologischen Finessen, mit denen die Autorin schon in ihren Kurzgeschichten brillierte. Die Fülle an Beobachtungen, Zitaten, Streitgesprächen, Liebesszenen, Düften, Bildern, Tönen, Anspielungen und Verbindungen spiegelt die beiden Protagonistinnen des Romans: Die Stadt Genua und ihre Bewohnerin Matilde, elegante und starke Schönheiten voller Widersprüche, der Vergänglichkeit unterworfen. (Martina Keller in Viceversa 14, 2020)

Paul und Nina. Weil sie beide dasselbe Buch lasen, waren sie im Rondell der Universität gleich Feuer und Flamme. Der Mathestudent nahm die angehende Opernsängerin mit nach Genua – und die elegante Tante Matilde, «letzter Star Europas», die dazu noch die beste Pasta der Welt macht, erteilte ihnen den Segen für eine Ehe ohne Probezeit. Lustvoll streiten, ob das Schöne das Wahre oder doch das Moralische ist, können Paul und Nina immer noch – dass aber ihr lang gehegter Kinderwunsch nicht in Erfüllung geht, lässt sich nach mehreren Fehlversuchen nur schwer lustigreden. Und als sie jetzt, wieder in Genua, auf dem Friedhof Staglieno die hundertjährige Mathilde zu Grabe tragen, bricht - unaufhaltsam - etwas auf. Sie blicken in einen Abgrund, der weder mit Tom Ford noch mit Chanel zuzuschütten ist. In Romana Ganzonis erstem, rasant erzählten Roman prallt ein Paar aus der Welt des Zuviel auf das Genua einer alten, echten Dame, die ein anderes Jahrhundert gesehen hat, in einer Stadt, die gerade mit ihnen untergeht. (Buchpräsentation Rotpunktverlag)

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