Timbuktu

Von: Lukas Gloor

Zwischen Kirche, Kehrrichtverbrennungsanlage und Kühlturm des nahe gelegenen AKW bewohnt eine alternative Gemeinschaft eine alte Fabrik. Timbuktu heisst der Ort, an dem der Erzähler Max ein halbes Jahr verbringt. Max kann hier mietfrei wohnen, dafür soll er einen Bericht über das Leben in Timbuktu verfassen. Im teilnehmenden Präsens hält Max fest, wie er von Tabak, Bier und Nudelsuppe lebt, manchmal einen Spaziergang unternimmt, vom Grossvater träumt und beobachtet, was sich an diesem stillen Ort tut. Andere Ambitionen hat Max nicht. Seinen Aufenthalt in Timbuktu hat Lukas Gloor in einer stimmigen, melancholischen Erzählung eingefangen. (bm)

Max steht am Fenster, vor sich den Kühlturm und die Dampfwolken, die sich in die Höhe schrauben. In Timbuktu, zwischen Atomkraftwerk, Schnellstrassen und Bahnstrecken, studiert er die Leute, hört mit Teresa Bob Dylan im Tankstellenshop, freundet sich mit der Katze an und träumt mit Gertrud von New York. Er streift durch die versehrte Landschaft und reist zu seinem fernen Grossvater, der im Sterben liegt. *Timbuktu* berichtet in einer klaren Sprache voll absurdem Witz von einem Sonderling in einer sonderbaren Welt. Auf der Suche nach dem Erzählbaren, hin- und hergerissen zwischen Verbindlichkeit und Freiheit, Einsamkeit und Gemeinschaft, Sprechen und Schweigen bahnt er einen Weg durch die Gegenwart. »Wie im Märchen einer auszieht, das Fürchten zu lernen, so kommt der Enkel eines störrischen Grossvaters nach Timbuktu. Einer der wildesten, zugleich fernsten und allernächsten Orte im Herzen der Schweiz. Dort zieht er ein, trinkt Kaffee, raucht, füttert die Katze und wartet, dass die Furcht kommt.« (Friederike Kretzen) (Verlag Die Brotsuppe)

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