Tamangur
Von: Leta Semadeni
- Rotpunktverlag, Zürich, 2015
Ein Kind erkundet seine Welt auf eigene Weise, es will den Dingen auf den Grund gehen, es stellt Fragen, es braucht Vertrauen, Zuwendung, Wärme. Auf diesem Weg der Aneignung seiner Welt begleiten die Leserinnen das Kind, das namenlos bleibt, lange auch geschlechtslos, in Leta Semadenis erstem Roman Tamangur. Das Kind lebt zusammen mit der Grossmutter im Dorf. Früher war da noch der Grossvater, seit kurzer Zeit ist sein Stuhl leer. Nicht nur dieses Verschwinden ist ständig präsent, da ist auch das Verschwinden des Bruders, der im Fluss dem Schwarzen Meer zutreibt – ein Bild, das das Kind recht eigentlich verfolgt. Dieses Romankleinod lebt von Andeutungen, Hinweisen und Möglichkeiten. Und von einer Sprache, die unendlich viel Raum öffnet, ohne jedoch ein Gefühl der Verlorenheit aufkommen zu lassen. (lst)