Steingrubers Jahr

Von: Ralf Schlatter

Alleinstehende Männer scheinen ein literarisch ergiebiges Thema zu sein. Zwei neue Romane nehmen sich ihrer mit Ironie und Melancholie an. Ralf Schlatter lässt den Kammerjäger Steingruber in einem Tagebuch Alltäglichkeiten festhalten, darunter eine kurze, traurig endende Liebesgeschichte zu einer Bibliothekarin. Auch bei Lukas Holliger geht der boshaft lästernde Ich-Erzähler eine Liaison ein, wodurch er einem Menschen namens Klaus Halm in die Quere kommt. Beiden Autoren ist gemeinsam, dass sie nebst ihrer Literatur für die Bühne respektive fürs Radio mit Pointen und Satire arbeiten. In der Romanform allerdings will es ihnen nicht vollauf gelingen, den Witz mit der Tragik ihrer Figuren zu verbinden. (bm)

Steingrubers Jahr
Felix Steingruber ist Katzenhalter, Kammerjäger und Junggeselle mit unspektakulärem Leben: Von Schädlingen geplagte Hausfrauen nötigen ihn zum Kaffeetrinken, seine Mutter gibt die Hoffnung auf Enkelkinder nicht auf, Frau Obermüller bringt hin und wieder nach Katzenart ein Geschenk nach Hause. Nach einem seltsamen Traum aber muss Steingruber über den Tod nachdenken. Ein Ratgeber aus der Bibliothek empfiehlt ihm, Tagebuch zu führen. Das macht er, ein ganzes Jahr lang. Außerdem findet er in der Bibliothek eine Bibliothekarin, die dieses Jahr zu etwas Einzigartigem macht … Ralf Schlatter versteht es unnachahmlich, Tragisches und Komisches ineinander zu verweben, er entdeckt die Poesie im Unscheinbaren, die Schönheit im Morbiden. (Buchpräsentation Limbus-Verlag)

Mehr zu Steingrubers Jahr