Spuren der Arbeit

Von: Stefan Keller

In Alexandre Friederichs TM bekennt sich der Ich-Erzähler zu seiner Vorliebe für Brachland und die unerwarteten Dinge, die aus ihm erwachsen können. Vor allem aber experimentiert er beim Ausüben niedriger Berufe oder bei verschiedenen Formen der Fortbewegung (Gehen, Laufen oder Radfahren) mit der Auswirkung einer Tätigkeit auf das Denken, das sie begünstigt oder verhindert. Er versucht, seinen Platz auf der Welt zu finden, was ihm schliesslich gelingt, indem er sich den Diktaten und Fallen der Konsumgesellschaft entzieht. Der Widerstand gegen einen Prozess der Entmenschlichung ist auch das Thema des Essais H+, in dem der Autor über zentrale Aspekte der trans- und posthumanistischen Bewegungen nachdenkt. Der Essai nimmt die Fragestellungen der Erzählung TM über die Beziehungen zwischen Materie, Körper und Geist auf, fokussiert diesmal aber auf die Unterschiede zwischen dem menschlichen Denken und der künstlichen Intelligenz, zwischen dem lebenden Organismus und der Maschine. (cg, Übers. rg)

Am 15. Januar 1801 geht Friedrich Hölderlin von Konstanz nach Hauptwil, um dort eine Stelle als Hauslehrer in einer Fabrikantenfamilie anzutreten. Hauptwil ist zu jener Zeit eine einzige Textilmanufaktur, ein protoindustrielles Musterdorf. 50 Kilometer weiter liegt Diessenhofen. Dort steht seit 2013 eines der weltweit wichtigsten Serverzentren für internationalen Zahlungsverkehr. Was verbindet das Hauptwil von damals mit dem Diessenhofen von heute? Stefan Kellers groß angelegte historische Reportage zeigt 200 Jahre Geschichte der Arbeit exemplarisch im Kanton Thurgau am Bodensee, eine Entwicklung, die sich so ähnlich an vielen Orten ereignet hat. Die Zusammenhänge dieser Weltgeschichte werden erst in der Betrachtung des einzelnen Geschehens so richtig sichtbar: Man erfährt von Stickern und Nachstickerinnen, von Eisengießern, Knechten und Mägden, von Kinderarbeit, Hungersnot und dem Glück von Textilkaufleuten am anderen Ende der Welt, von jungen Italienerinnen, die in wilde Streiks treten und von der Feuerwehr abgespritzt werden. Erfolgsgeschichten, Rückschläge, Wirtschaftskrisen, revolutionäre Umtriebe, soziale Umwälzungen – ein weit aufgespanntes Panorama, konsequent von den Menschen und ihren Biografien her erzählt. (Buchpräsentation Rotpunktverlag)

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