Späte Gäste

Von: Gertrud Leutenegger

An einem klaren Februarabend kehrt die namenlose Ich-Erzählerin aus Gertrud Leuteneggers 2004 erschienenen Roman Pomona zurück in das kleine Dorf an der Grenze zur Lombardei, das sie vor Jahren mit ihrer kleinen Tochter auf der Flucht vor ihrem Lebensgefährten Orion verlassen hat. Denn Orion ist gestorben. Die Erzählerin übernachtet in einer verlassenen Villa am Waldrand, und im Garten tauchen maskierte Schatten auf, denn es ist Fasnacht. Späte Gäste erzählt in hoher symbolischer und mythologischer Dichte von Trauer, Umkehr und Befreiung und ist zugleich auch ein kunstvoll gestaltetes Kammerspiel über Flüchtlinge und Heimatlosigkeit. (jpk)

Ein Dorf nahe der italienischen Grenze. Spät am Abend ist die Erzählerin nach einer Todesnachricht dort eingetroffen. Orion ist gestorben, mit dem sie viele Jahre ihres Lebens geteilt hat, ehe sie mit dem Kind die Flucht ergriff. Sie will die Nacht vor der Totenmesse im Wirtshaus am Waldrand zubringen, einer ehemals herrschaftlichen Villa. Doch diese ist wie ausgestorben, der sizilianische Wirt verreist, die Wirtschafterin wie jedes Jahr zur Fasnacht im Ort jenseits der Grenze, wo sich die Dorfbewohner als »Schöne und Hässliche« verkleiden. Zwar findet sie Zuflucht im unverschlossenen Gartensaal, wo sie früher oft zusammengesessen haben. Doch aufgestört von beunruhigenden Berichten aus dem benachbarten Tal, bedrängt von Erinnerungen an Orion und von Bildern aus der Kindheit, gerät die Erzählerin in einen zwischen Nachtwache und Schlaf oszillierenden Zustand. Nicht nur Szenen aus der Vergangenheit suchen sie heim, gegen Morgen tauchen auch maskierte Gestalten auf, die sie zugleich erschrecken und anziehen. Auswandern und Vertriebensein, Verlust und Wiedergewinn, Trauer und das Irrlichtern während der Fasnachtszeit verbinden sich in Gertrud Leuteneggers Roman zu einer traumwandlerischen Gegenwart. (Buchpräsentation Suhrkamp Verlag)

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