Simeliberg

Von: Michael Fehr

Mit seiner zweiten Prosaveröffentlichung Simeliberg übertrifft der 33-jährige Michael Fehr die in ihn gesetzten Erwartungen um ein Vielfaches: In knappen Sätzen nimmt er seine Leserinnen und Leser mit in die tiefsten Abgründe eines Dorfes, in dem jene, die anders sind oder von anderswo kommen, einen schweren Stand haben. Dem Autor gelingt es, insbesondere durch knappe Dialoge und dort vor allem durch Aussparungen, ein Klima des Misstrauens entstehen zu lassen, das gefährlichen Machenschaften einen Boden bereitet. Entstanden ist ein Prosatext, der einen ganz eigenen Sog entwickelt und eine nachhaltige Wirkung zeitigt. (lst)

Simeliberg
Michael Fehr bringt einen neuen Ton in die zeitgenössische Literatur. _Simeliberg_, seine zweite Buchveröffentlichung, ist zweierlei in einem: Klangkunstwerk und rätselhafte Kriminalgeschichte. Hinunter ins Loch, durch Matsch und Dreck, fährt Gemeindsverwalter Griese mit seinem Landrover. Die Repetierwaffe auf dem Rücksitz, erfüllt er widerwillig den Auftrag der kantonalen Sozialhilfebehörde, einen Bauern in die Stadt zu bringen. Dessen Frau ist verschwunden, in der Stadt will man der Angelegenheit auf den Grund gehen. Der verschrobene Bauer erzählt von irrlichternden Plänen, die Menschheit zum Mars und in eine helle Zukunft zu führen. Und nicht genug damit: An dem unwirtlichen Ort tragen sich mysteriöse Dinge zu. Junge Männer in schwarzen Uniformen versammeln sich und bedrohen schliesslich auch Griese, als er ihnen auf die Schliche kommt. Polizei, Nachforschungen, Drohungen - alles nimmt seinen Lauf. Die Figuren zeigen einen knorrigen, verstockten Menschenschlag. Die Welt in _Simeliberg_ ist gezeichnet von Gegensätzen: da die scheinbare Normalität der Oberwelt, dort die dunklen Machenschaften im sumpfigen Loch. Droben die Menschen Weiss und Wyss, drunten der Bauer Schwarz. Dazwischen der Grenzgänger Griese, der je länger, desto stärker zwischen alle Fronten und in die Mühlen der Behörden gerät. Erzählung und Klang gehen eine ungewöhnliche Symbiose ein. Der Titel «Simeliberg» erinnert an das gleichnamige Grimmsche Märchen und an das melancholische Volkslied "Vreneli ab em Guggisberg". Michael Fehr evoziert eine Geschichte von existenzieller Wucht um Themen wie Ideologie und Verwirrung, Vereinsamung und Geborgenheit. Bis ins Feinste der Worte inszeniert Fehr ein poetisch musikalisches Gesamtwerk. (Buchpräsentation Der gesunde Menschenversand)

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