Sez Ner [in italiano]
Von: Arno Camenisch, Übersetzung: Roberta Gado
- Casagrande, Bellinzona, 2010
Sez Ner, der erste Roman des Bündners Arno Camenisch (1978), ist eine ganz besondere Erzählung und gleichzeitig ein bemerkenswertes sprachliches Unterfangen. Der Roman kam im Herbst 2010 bei Casagrande heraus, kurz nach der französischen Übersetzung und etwa ein Jahr nach dem Erscheinen der deutschen und rätoromanischen Originalversion. Die Prosa ist schnörkellos und wirkungsvoll, sie erzählt in kurzen Sequenzen ein Leben, welches der Schweizer Literatur nicht unbekannt ist, nämlich dasjenige in den Alpen. Sie tut dies aber mit grosser Distanz, verzichtet auf Alpenromantik, denn die kleine Welt, von der erzählt wird, ist trotz Landschaftsidylle alles andere als das: die Personen sind mürrisch, die Details dreist und die Vorfälle sind entweder lächerlich oder perfid, das Ganze eingetaucht in das Rosa der Alpenrosen und in das satte Grün der Hochweiden. In diesem kurzen Sommer am Fusse des Sezner, in dem der Käse schimmelt und die Touristen verspottet werden, gelingt es Arno Camenisch, zusammen mit der lobenswerten Übersetzerin Roberta Gado Wiener, den Leser mitzureissen, dies auch dank einer Sprache, welche vorzüglich alle Schattierungen und Widersprüche auf weniger als hundert Seiten auszudrücken vermag.