Script Avenue

Von: Claude Cueni

«Script Avenue», so nennt der Ich-Erzähler und Autor Sammy Bretelle die Parallelwelt, in die er seit seiner Kindheit flüchtet. Das Abtauchen in Träume hilft ihm in seiner von Armut, Gewalt und religiösem Wahn geprägten Kindheit. In der «Script Avenue» treffen erfundene Figuren auf reale, gestaltet der Schriftsteller Szenen nach seiner Fantasie. «Script Avenue» heisst auch das Buch, das der todkranke Sammy schreibt. Claude Cuenis «autobiografischer Roman» erzählt von Leid und Schicksalsschlägen, doch er tut dies in rasantem Stil, mit Witz, Kalauern und Satire. Das lässt manchmal Tiefgang vermissen, liefert aber in seinen besten Momenten ein packendes Porträt eines umgetriebenen Lebens in der Gesellschaft von den fünfziger Jahren bis heute. (rg)

Script Avenue
Ich saß seit Monaten im fünften Stock der hämatologischen Abteilung der Universitätsklinik und wartete auf den Tod. Das ist die perfekte Dramaturgie. _Titanic!_ Sie ergattern noch zwei Tickets für das Oberdeck. Und saufen dann erbärmlich ab. Nein, sie hat mich nicht enttäuscht, sie ist gestorben. Wir wollten alle Amerikaner sein. Nur John F. Kennedy wollte ein Berliner sein. Schicksalsschläge sind eine super Diät. Und wenn man keine neue Partnerin findet, gibt's auch keinen Jo-Jo-Effekt. Wir tun alle irgendwas, um zu vergessen, dass mit unserer Geburt unser Schicksal bereits besiegelt ist: Wir müssen sterben. Dieses Buch werde ich noch schreiben, denn wenn ich schreibe, denke ich nicht an den Tod. (Spotlights auf die _Script Avenue_, Wörterseh 2014)

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