Relier les rives
Von: Marie-Claire Gross
- Bernard Campiche, Orbe, 2016
Der erste Roman von Marie-Claire Gross, Relier les rives [Die Ufer verbinden], lenkt den Blick voller Empathie auf die aus Palästina stammende 38jährige Soraya, die ihre prekäre Arbeits- und Lebenssituation im Alkohol ertränkt. Wir finden Eingang in ihre Welt durch die Empfindungen, teilen ihre Ängste und ihre Freuden, ihre Erinnerungen, und so entsteht mit viel Zärtlichkeit ein Wesen aus Fleisch und Blut. Sinneseindrücke, Gerüche, Geschmäcker verbinden die Frau mit ihrer Vergangenheit und ermöglichen ihr, der Gegenwart die Stirn zu bieten – wenigstens für eine gewisse Zeit. Der Roman kombiniert zwei Erzählstimmen in der ersten Person: die von Soraya ist mit ihrem rhythmisch-mitreissenden Stil überzeugender als die von Lou-Anne, der Sozialarbeiterin, welche die Geschichte aufschreibt, und sich dabei an realen Tatsachen orientiert. Die Stärke des Buches liegt darin, dass die Leser dem allmählichen Niedergang der Figur folgen können, der von innen erzählt wird, mit viel Menschlichkeit. (msk, trad. rg)