Niemals keine Nachtmusik

Von: Felix Philipp Ingold

In zwei Büchern lotet Felix Philipp Ingold die sinnliche-konkrete Komponente der Lyrik auf zweierlei Arten aus. Das Langgedicht Fortschrift, in dem er Stéphane Mallarmés «Un coup de dés jamais n’abolira le hasard» liest, überträgt und weiterführt, ist ein optisches Kunstereignis. Die Gedichte seines Bandes Niemals keine Nachtmusik sind klangliche Ereignisse, die auf einer mitgelieferten CD nachgehört werden können und in denen der Autor der Wahrheit des Sagens gegenüber der Wahrheit des Gesagten zu ihrem Recht verhilft. (fb)

mit CD

*Niemals keine Nachtmusik* enthält thematisch höchst unterschiedliche, informell, nach «innerer» Notwendigkeit angelegte, teils in Prosa-Betrachtung mündende Gedichte Felix Philipp Ingolds aus den letzten zehn Jahren, dazu ein Hörstück für drei Stimmen. Konzentriert und nonchalant zugleich unternimmt der findige Form-Experimentator und Forscher von Wirkungen poetischer Sprache Sondierungsgänge ins System sprachlicher Zeichen und untersucht im kreativen Prozess Mechanismen der Produktion von Bedeutung und Sinn. Ingold durchstreift dabei einen ganzen Kosmos an Tradition von Kunst, Dichtung, Musik und Philosophie, umkreist Fremdes mit Anspielungen und amalgamiert solches mit Eigenem zu hochkomplexen poetischen Gebilden. Eine solche Lyrik befördert eine Art umfassenden Verstehens: Im Gleiten über die Brüche zwischen Wörtern und Sätzen, im Driften entlang von Gleichklang und Mehrfachbedeutung, im Nachvollzug gedanklicher Zickzackbewegungen und Rösselsprünge werden kognitive, emotionale und körperliche Effekte zugleich stimuliert. Mit Ironie, akkuratem Humor und Wortwitz beutelt Ingold konfektionierte Lyrismen und gängige Weisen metaphorischen Denkens durcheinander und führt uns vor, wie sich poetisches Sprechen heute aus jedem Gedicht heraus neu zu entwerfen vermag. (Buchpräsentation Ritter)

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