Mahlstrom

Von: Yael Inokai

In einem kleinen Dorf ertränkt sich eine 22-jährige Frau. Hat dieser Selbstmord mit einem Verbrechen zu tun, das elf Jahre früher geschah? Drei der sechs damals beteiligten Kinder, nun junge Erwachsene, brechen das Schweigen in einer glaubhaft mündlichen und zugleich poetisch verknappten, bildreichen Sprache. Aus Erinnerungen an die Vergangenheit und Begegnungen in der Gegenwart setzt sich eine Geschichte zusammen, in der es um Gemeinschaft und um Ausgrenzung, um Freundschaft und Verrat, um Schuld und Verleugnung, um Sühne und mögliches Verzeihen geht. Dabei entwickelt der sorgfältig komponierte Redefluss einen unwiderstehlichen Sog. (rg)

Mahlstrom
Am Anfang steht Barbara. Barbara, die sich mit zweiundzwanzig im Fluss ertränkt. Ihr Tod, der im ganzen Dorf die Telefone schellen lässt, bringt die anderen zum Reden: ihren Bruder Adam, ihre Freundin Nora und Yann, den Eindringling, der aus der Stadt neu zugezogen war. Sie alle sind mit der Verstorbenen und den falschen Zwillingen Annemarie und Hans zur Schule gegangen. Es waren kinderreiche Zeiten, und die Enge im Elternhaus trieb die Kinder nach draußen. Doch unter den Erinnerungen an das Jagen über die Felder oder jenes Streichholzspiel auf dem Pausenhof liegt etwas anderes, Unausgesprochenes begraben: In einer unbeobachteten Nacht verübten sie ein Gewaltverbrechen an einem von ihnen. Einen starken Sog auslösend, erzählt Mahlstrom die Geschichte sechs junger Menschen, die in einer dicht verwobenen Dorfgemeinschaft herangewachsen sind. Zugleich geschützt und bedroht von den engen Banden, sind sie im Erwachsenenleben angekommen und stecken doch noch knietief in ihrer Kindheit. Erst Barbaras Selbstmord bringt den Stein ins Rollen und zwingt die Übriggebliebenen, sich mehr als zehn Jahre nach dem Verbrechen dem Geschehenen zu stellen. (Buchpräsentation Rotpunktverlag)

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