Lezione di calligrafia
Von: Michail Pavlovič Šiškin, Übersetzung: Emanuela Bonacorsi
- Voland, Roma, 2009
_Lezione di calligrafia _ist das dritte Buch von Mikhail Sishkin, das in italienischer Sprache erscheint. Die Übersetzung stammt wieder von Emanuela Bonacorsi, der man auch Capelvenere (2006) und Presa di Izmail (2007) verdankt. Beide Bücher sind auch bei Fayard erschienen, mit dem Titel _Le Cheveu de Vénus _und La Prise d'Izmail (2007). Mikhail Shishkin wurde 1961 in Moskau geboren und lebt in Zürich; er gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autoren Russlands. Dieses neue Buch besteht aus zwei Teilen, eine Erzählung und ein Roman. Die etwa 20-seitige Erzählung „Lezione di calligrafia“ wirkt wie eine Art Einführung in den Roman „Memorie di Larionov“, der den zweiten Teil des Buches bildet. Die Schrift, oder genauer, der Schreibakt ist Ausgangspunkt und Leitgedanke der zwei Texte - ursprünglicher Akt, der mit dem Schreiben des ersten Grossbuchstabens auf die weisse Seite beginnt: Dieses erste Zeichen, diese „erste Bewegung der Feder, die gegen den Punkt strebt, ist auch ein Zeichen der Hoffnung und ein Paradox des Seins. Wie ein Embryo enthält der erste Buchstabe alles zukünftige Leben in sich, bis zum Ende, den Geist, den Rhythmus, den Schwung und das Bild.“ Verglichen mit den zwei vorherigen Büchern von Sishkin in italienischer Sprache ist diese „Kaligraphiestunde“ vielleicht weniger überraschend und weist eine nicht mehr ganz so breite Stil- und Rhythmusfülle auf, eine leicht gebändigte Gattungs- und Stimmvielfalt; doch diese grössere Ausgeglichenheit bezieht den Leser noch tiefer mit ein. Dieser Band eröffnet dem italophonen Leser ein drittes Mal den Zugang zu einem äusserst talentierten Autor, der einer schwindelerregend vielfältigen Tradition angehört.