Lebzeiten

Von: Christine Fischer

Lore ist Kindergärtnerin, gut sechzig und zufrieden in Beruf und Privatleben. Doch dann beginnt etwas in ihrem Kopf, das sie «Kopfgeschehen» nennt und dem der Arzt einen Namen gibt, der jedoch nie ausgesprochen wird. Lore weiss, dass sie ihr Gedächtnis verlieren wird, ebenso die Sprache. Und also beschliesst sie, das «Kopfgeschehen» im Tagebuch festzuhalten. Ein Brief ans Leben soll es werden, in dem Lore erzählt, wie es ist, wenn sich etwas im Kopf verändert und sich damit alles verändert.
Christine Fischer vermeidet jede Larmoyanz, jedes Mitleid mit der armen Kranken, dem sich diese verwehrt. Wut, Trauer und, ja, Lebensfreude überwiegen. Das alles in Sprache festzuhalten, letztlich die wachsende Sprachlosigkeit in Sprache zu fassen, gelingt Christine Fischer in diesem Roman auf grossartige Weise und mit nachhaltiger Wirkung. (lst)

Lebzeiten
Lore und Karl stehen kurz vor der Pensionierung. Da diagnostiziert der Arzt eine Erkrankung, die Lore «Kopfgeschehen» nennt. Allmählich wird sie ihr Gedächtnis und die Sprache verlieren. Lore beginnt zu schreiben. Kein Tagebuch, sondern einen Brief an das Leben. Sie hält fest, was der Tag ihr bringt, was sie wahrnimmt, denkt und fühlt. Sie erzählt vom veränderten Zusammenleben mit Karl, von ihrer Arbeit als Kindergärtnerin, die nun gefährdet ist. Schriftlich erinnert sie sich an das Mädchen, an die eigenwillige junge Frau, die sie einmal war. Sie beschwört eine rätselhafte Liebe herauf und die Jahre mit ihrer besten Freundin Eileen, die Lore und Karl ihren kleinen Sohn anvertraut hat: Oliver. Doch Oliver ist inzwischen erwachsen und stellt seine Adoptiveltern auf eine harte Probe. Die Krankheit schreitet fort, verändert Lores Sprache. Doch Lore gibt nicht auf. Auch als ihr die Wörter mehr und mehr entgleiten, hält sie die Zwiesprache mit dem Leben aufrecht und öffnet sich neuen Erfahrungen. (Buchpräsentation Appenzeller Verlag)

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