Lebzeiten
Von: Christine Fischer
- Appenzeller Verlag, Schwellbrunn, 2015
Lore ist Kindergärtnerin, gut sechzig und zufrieden in Beruf und Privatleben. Doch dann beginnt etwas in ihrem Kopf, das sie «Kopfgeschehen» nennt und dem der Arzt einen Namen gibt, der jedoch nie ausgesprochen wird. Lore weiss, dass sie ihr Gedächtnis verlieren wird, ebenso die Sprache. Und also beschliesst sie, das «Kopfgeschehen» im Tagebuch festzuhalten. Ein Brief ans Leben soll es werden, in dem Lore erzählt, wie es ist, wenn sich etwas im Kopf verändert und sich damit alles verändert.
Christine Fischer vermeidet jede Larmoyanz, jedes Mitleid mit der armen Kranken, dem sich diese verwehrt. Wut, Trauer und, ja, Lebensfreude überwiegen. Das alles in Sprache festzuhalten, letztlich die wachsende Sprachlosigkeit in Sprache zu fassen, gelingt Christine Fischer in diesem Roman auf grossartige Weise und mit nachhaltiger Wirkung. (lst)