Le Tapis de course
Von: Michel Layaz
- Zoé, Genève, 2013
«Pauvre type» («Loser»): diese Beleidigung klingt im Protagonisten von Le Tapis de course («das Laufband», Anm.d.Red.) nach. Sie wurde ihm ohne Aggressivität zuteil, als nüchterne Feststellung, und stürzt ihn gerade deshalb in einen inneren Abgrund: Im Auto beginnt er Selbstgespräche zu führen. Der vierzigjährige Bibliothekar in leitender Stellung klammert sich an das Gerüst eines obsessiv geregelten Lebens: Organisation, Ordnung, Sauberkeit, Lesepensum, tägliches Training auf dem Laufband nach genauer Berechnung der Zeit und der zurückgelegten Distanz. Doch die neue Art des Sprechens bringt den Ich-Erzähler vielleicht den redseligen, aufmüpfigen Zwillingsschwestern in Layaz’ vorangehendem Roman näher. Zusammen mit Deux sœurs (Zoé, 2011) bildet Le Tapis de course ein Diptychon über Flexibilität und Starrheit der Sprache. (mr, Übers. rg)