Le malorose
Von: Sara Catella
- Casagrande, Bellinzona, 2022
Im Bleniotal des frühen 20. Jahrhunderts wird die Hebamme Caterina Capra zur Krankenpflege des Dorfpfarrers gerufen, dessen Tage gezählt sind. Im verdunkelten Zimmer, alleine mit dem Mann, der nicht mehr sprechen kann, erzählt sie von den Sorgen und dem Leid der Landbevölkerung. Ihr Monolog entwickelt sich zu einer regelrechten Predigt. «Die Stimme der Verzweiflung», die aus Caterina spricht, ist vor allem diejenige der Frauen: «mutig, trotz ihrer Verdammnis», von Natur aus unrein, ist ihr einziger Zweck, in Schmerzen zu gebären und Kinder aufzuziehen. Die mündliche, direkte Sprache versetzt die Leserschaft in eine vergangene Welt, deren Themen – die Stellung der Frau in der Gesellschaft, der Tod, die Emigration, die Erinnerung der Überlebenden und, weiter gefasst, ein urteilsfreies Zuhören – immer wieder auf die Gegenwart verweisen. (cbj Übers. rg)