Le Dernier Crâne de M. de Sade
Von: Jacques Chessex
- Grasset, Paris, 2010
Seit seiner Publikation hat das posthum erschienene Buch von Jacques Chessex sehr viel Staub aufgewirbelt: doch dient es einem Werk, es im Bannkreis der Kontroverse und der Provokation zu lesen? Zwar könnten bei der Heraufbeschwörung der letzten Tage des Marquis de Sade die abstossenden Beschreibungen berechtigt sein. Doch dem Buch gelingt es nicht, sich auf die Höhe des beachtlichen Unterfangens von de Sade zu schwingen: den Körper und mit ihm die Sprache vom Einfluss einer rationellen und gleichzeitig theologischen Tradition loszuschrauben. Im zweiten Teil des Buches versucht Chessex eine realistischere und rohere Ausdrucksform zu finden, ohne jedoch auf Verwünschungen und prophetische Tonfälle zu verzichten, die seine Prosa manchmal etwas lächerlich machen.