Lautlos

Von: Regula Bigler

Lautlos handelt von einer unglücklichen Liebe zwischen Clara und Marek, die nie richtig zueinander finden, die Beziehung jedoch trotzdem aufrechterhalten. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist Claras Mord an Marek, der rückblickend erzählt und aus zunehmend unterschiedlichen Gesichtspunkten in ein je anderes Licht gerückt wird. Fragen nach dem Erzählen selbst, nach Erinnerung und dem kunstvollen Spiel mit Perspektiven drängen sich als eigentliches Thema der Novelle auf, während die mangelnde Plastizität der Figuren den Lesefluss hemmt. So erweist sich die Novelle als Text mit einer ausgeprägten Metaebene, aber einer etwas blassen Liebesgeschichte. (lc)

Was hält zwei Menschen zusammen? Wie können sie Träume verwirklichen? Eine Zweierbeziehung auf der Kippe: Clara und Marek gelingt es trotz viel guten Willens nicht, einen gemeinsamen Weg im Alltag zu finden. Nach einem weiteren misslungenen Neuanfang sieht die Protagonistin keinen anderen Ausweg, als den geliebten Menschen, ohne den und mit dem ein Leben nicht möglich scheint, umzubringen. Clara zieht sich während der Pandemie mit Freunden in ein Bergdorf zurück und erzählt ihnen die Geschichte dieses Mordes. Der bleibt ebenso doppelsinnig wie die geisterhafte Erscheinung des Totgeglaubten, der im zweiten Teil der Novelle eine Stimme bekommt. Endgültiger Abschied? Verarbeitungsversuch? Auferstehung? Symbolische Tilgung von Schuld? Kollektive Täuschung? Mit rasanten Wendungen und Perspektivwechseln erzählen verschiedene Menschen, wie aus ihrer Sicht das Verschwinden eines Menschen zu erklären wäre. Dabei bringen sie Themen ein, die uns alle betreffen: die Verantwortung gegenüber der Umwelt, Utopien und deren Realisierung, die Frage nach einem respektvollen Umgang miteinander und mit der Welt. Eine Liebesgeschichte mit unerwarteten Wendungen, in der nicht alle Fragen eine Antwort finden, die dafür aber umso eindringlicher die menschliche Kraft des Erzählens thematisiert. (Königshausen & Neumann)

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