Kartographie des Schnees

Von: Rolf Hermann

In seinen neuen Gedichten hat der Walliser Rolf Hermann das Erzählerische, Anekdotische der früheren Gedichte aufgegeben zugunsten einer Collageform, die Bilder, Zeichen und Signale zu neuen Mustern fügt. Leitmotiv ist der Schnee, als stiller Teppich oder im wirbelnden Rauschen des Blizzards. Die lyrische Optik vervielfacht sich, es schieben sich harte Brüche, scharfe Kanten und schiefe Ebenen ein, Trompe l'oeil-Effekte werden erzeugt. In rhythmisch loser, von Interpunktion befreiter Form spielt die «Kartographie des Schnees» mit dem Staunen und Rauschen, mit Zitaten und Einsprengseln, mit der tröstenden Weissheit des Schnees. Wer sich einen Reim drauf machen will, wird mit Geduld und Gespür fündig. (bm)

Kartographie des Schnees
Strassennamen, Museumsbesuche, Youtube-Videos geben im neuen Gedichtband von Rolf Hermann Anlass zu Beobachtungen, Erinnerungen und Reflexionen. Er übersetzt die Erkundungen physischer und virtueller Landschaften in faszinierende Zeilen und Bilder der Vergänglichkeit. Die Landkarte, die Rolf Hermann in _Kartographie des Schnees_ entwirft, reicht weit: von einem Tübinger Friedhof bis zu den ächzenden Kränen in Novosibirsk, von einem Muldenkipper in Paris bis zu einem Schneesturm in Chicago. Vor allem aber bringt sie uns das so nahe, was im weitläufigen Gelände der Erfahrung oftmals übersehen wird: den Zitteraal im Mund, die Friedhofsschuhe im Weinberg – und dass wir im Anderswo immer hier sind. (Buchpräsentation Der gesunde Menschenversand)

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